oqbo | raum für bild wort ton
10.10. – 07.11.2026

oqbo
Das Künstler*innen-Kollektiv, bestehend aus Seraphina Lenz, Julia Ziegler, Michael Bause, Christian Bilger, Frank Eltner und Dirk Lebahn (alias Nha bel K. Rid) organisiert den non-profit Projektraum oqbo | raum für bild wort ton als interdisziplinäre Plattform für Kunst, entwickelt ein diverses Programm mit internationaler Wirkung. Ihr Interesse gilt den aktuellen Diskussionen zwischen Kultur, Gesellschaft und Geisteswissenschaften und dem Aufbau des paperfile, einer Sammlung von Papierarbeiten, die für einen direkten Austausch mit dem agierenden Publikum steht. Gleich mit der ersten Ausstellung begann oqbo eine wachsende Sammlung für Arbeiten auf Papier, paperfile, aufzubauen. Bis heute umfasst die Sammlung 259 Mappen mit Papierarbeiten nationaler und internationaler Künstler:innen. paperfile, das eine wesentliche Idee des Dialogs mit und über Kunst aufgreift und reflektiert, ist ein für oqbo elementares Prinzip und mit paperfile on tour etabliert sich das Projekt über die Grenzen Berlins hinaus.
Durch eine sensible Ausstellungspolitik, bei der gestandene Künstler*innen mit neuen, jungen Positionen in Dialog gesetzt werden, auswärtige und einheimische Künstler*innen zusammenfinden, entwickelt sich oqbo zu einem lebendigen interdisziplinären Ort der Begegnungen und des Austausches zwischen den Generationen.
oqbo hat bislang annähernd 500 Veranstaltungen durchgeführt, Partnerschaften geschlossen, Publikationen veröffentlicht, Ausstellungen, Lesungen, Vorträge, Konzerte, Gesprächsrunden, Kooperationen konzipiert und realisiert.
Michael Bause
zeigt Arbeiten aus der neuen Veit Stoss Serie. Besonders die Faltenwürfe des mittelalterlichen Holzschnitzers haben den Künstler begeistert. Er webt sie in seiner bekannten Arbeitsweise in neue mehrschichtige Collagen ein.
Christian Bilger
In seiner kinetisch-skulpturalen Arbeit ist der Kern das »Auseinandernehmen und neu Zusammenfügen«. Das gilt auch für seine Collagen. Auf einem Fond variierender Grautöne, der aus unterschiedlichem, unbedrucktem Papier verschiedener Tageszeitungen entsteht, werden Lineamente aus zerteilten Worten und Buchstaben neu zusammengefügt.
Seraphina Lenz
Drei Objekte hängen von der Decke und bilden aus einzelnen, sich verzweigenden Streben leichte, offene Formen im Raum. Die Streben könnten Äste sein. Sie sind mit Aluminiumfolie umwickelt, die mit den Händen angedrückt wurde, ähnlich wie beim Einwickeln eines Butterbrots. Die knitterige, silberne Hülle gibt den schwebenden Objekten eine spacige Leichtigkeit.
Frank Eltner
Der Versuch eine räumliche Situation, wie zum Beispiel eine Türe oder ein Stück Wand möglichst detailliert abzufotografieren um sie an anderer Stelle maßstabsgetreu wieder auftauchen zu lassen.
Nha Bel K. Rid
Bei K. Rid beginnt alles mit einem Stück Filz. Oder vielleicht mit einer Fliege. Oder mit Rosa. Die Reihenfolge ist nicht zuverlässig. Der Filz liegt da und weigert sich, ein Bild zu sein. Er wird gefaltet, geknickt, gelegt, wieder aufgefaltet. Eine Fläche wird zum Objekt, das Objekt zur Fläche, und irgendwo dazwischen verliert die Geometrie ihre guten Manieren. Der Falz ist keine Linie mehr, sondern eine Entscheidung. Oder eine kleine Niederlage der Materie. Man könnte an Duchamp denken. Man muss aber nicht. Denn Duchamp steht ohnehin schon zu lange im Raum, vermutlich leicht gelangweilt, und betrachtet die Farbe Rosa. Rosa ist bei K. Rid keine Farbe, die sich brav zwischen Rot und Weiß aufhält. Rosa ist ein Zustand. Eine Temperatur. Ein Gerücht. Vielleicht sogar ein Readymade, noch bevor es sich entschieden hat, eines zu werden. Und dann sind da die Fliegen. Sie kommen nicht unbedingt, weil sie eingeladen wurden. Fliegen besitzen bekanntlich eine eigene Ausstellungspolitik. Sie landen, verschwinden, kehren zurück. Sie interessieren sich weder für Komposition noch für Kunstgeschichte. Sie setzen sich auf das Rosa, auf den Filz, auf die Falte – und machen damit etwas: Sie verändern die Bedeutung durch bloße Anwesenheit. Ein gefaltetes Stück Filz sagt: Ich bin ein Objekt. Eine Fliege sagt: Nein. Duchamp sagt: Vielleicht. Rosa sagt gar nichts und ist trotzdem überall. Rid arbeitet mit Dingen, die ihre Funktion verloren oder noch keine gefunden haben. Der Filz wird nicht einfach geformt, sondern in einen Zustand zwischen Gebrauch und Gebrauchlosigkeit versetzt. Er ist weich und widerspenstig, schwer und beinahe körperlos. Seine Faltungen erinnern an Architektur, an Kleidung, an Verpackung, an etwas, das einmal transportiert wurde und nun selbst zum Inhalt geworden ist. Die Arbeiten sind dabei weniger Antworten als kleine Sabotagen an der Erwartung.
Giovanna Gabbia
Julia Ziegler
Nachgebildet, in Anlehnung an eine Fotografie, ist ein Raumteiler von Charlotte Perriand*. Die Architektin und Designerin schuf mit ihrer »Nuages“ (Wolken) genannten Serie von Regalen schwebende Verhältnisse von Körper und Raum, sie stellte Präsenz und Auflösung zugleich her. Das illusionistische Wandbild entpuppt sich aus der Nähe als lose Schichtung farbiger Papiere. Wo Quader zu sein schienen, ist die blanke Wand, wo der Raum dahinter leuchtete, ist Material appliziert. In einem Regal kann man auch Dinge aufheben.
* Charlotte Perriand, 1903–1999, entwarf als Assistentin Le Corbusiers die Innenausstattung für die Unites d’habitation, bevor sie sich selbstständig machte, unter anderem nach Japan ging und Häuser im Gebirge baute.